18.02.2020
Ärztliche Versorgung in Denkendorf gesichert - Nach sieben Jahren gibt es eine Lösung für eine zukunftsträchtige Praxis

Den Willen dazu haben die beiden schon lange. Allerdings fehlte bisher eine geeignete Praxis, die zukunftsträchtig ist.

Bereits seit 2013 führten die Denkendorfer Hausärztin Dr. med. Rotraut Allgayer und der Apotheker Rolf Wolf Gespräche mit der Gemeinde, um die ärztliche Versorgung rund um Denkendorf zu sichern. Dabei gibt es mehrere Hürden: Zum einen standen schon damals alle Hausärzte in der Gemeinde Denkendorf und auch in der Nachbargemeinde Kipfenberg kurz vor dem Ruhestand. Die Ärzte suchten also dringend nach Nachfolgern. Zum anderen gab es keine geeigneten Räume, die eine zukunftsträchtige Praxis benötigen würde.

Das Nachfolger-Problem löste sich 2017, als Katrin Wittmann sich dazu bereiterklärte, die Praxis von Rotraut Allgayer zu übernehmen. Das Raumproblem war damit allerdings nicht behoben. Warum kann die junge Ärztin nicht die bestehende Praxis weiter nutzen? Das liege daran, dass sie nicht zukunftsfähig sei. „Der räumliche Zuschnitt, die Lage mitten im eng bebauten Wohngebiet und die fehlenden Parkplätze sind ungeeignet für eine moderne Praxis. Noch bedeutender sind allerdings arbeitsrechtliche und hygienische Gründe, die es verbieten, die Räume weiter zu nutzen“, sagt die Ärztin. Nachdem der Eigentümer in der Zwischenzeit Eigenbedarf angemeldet hat, war klar, dass Katrin Wittmann neue Räume finden musste. Die Praxis von Allgemeinarzt Christian Holtz, der ebenfalls in einigen Jahren in den Ruhestand gehen werde, sei auch keine Option. Was sie benötigt? Gute Erreichbarkeit, eine gute Verkehrserschließung, genug Parkplätze für Patienten und Mitarbeiter, Barrierefreiheit, einen geeigneten Zuschnitt und Glasfaseranschluss für moderne medizinische Geräte.

2017 machte sie sich sofort auf die Suche nach neuen Räumen und meldete sich bei der Gemeinde. „Nachdem ich keine weiteren Anrufe und vor allem auch keine nützlichen Informationen erhalten habe, habe ich die Sache selbst in die Hand genommen“, sagt Wittmann. Sie hatte leider kein Glück. Fünf private Investoren waren interessiert und fünf Mal hat es nicht geklappt, das Projekt umzusetzen. Hilfe von der Gemeinde bekam sie weiterhin nicht. Auf eine Anfrage von Katrin Wittmann antwortete die Bürgermeisterin Claudia Forster am 27. Juni 2019: „Obwohl das Thema keine gemeindliche Pflichtaufgabe darstellt, hat die Gemeinde Denkendorf im Jahr 2013 bereits einen Runden Tisch zur ärztlichen Versorgung […] eingeführt. […] Schlussendlich kamen wir zu dem Ergebnis, das Thema Arztversorgung im ISEK (Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept) zu platzieren und zu behandeln.“ Das Problem für Katrin Wittmann: „Das ist zu spät! Außerdem gibt es andere Gemeinden, die sich das Thema sehr wohl zur Aufgabe gemacht haben.“ Sie nennt Pollenfeld und Geisenfeld, wo die Gemeinden den Bau neuer Versorgungszentren unterstützt und zeitnah verfolgt haben. In ihrer Verzweiflung bat die junge Ärztin den Landrat, Anton Knapp, um Hilfe. Eine Vertreterin antwortete: „Zunächst ist festzustellen, dass die hausärztliche Versorgung nicht zu den Aufgaben des Landkreises […] gehört. Es handelt sich vielmehr um eine Fragestellung, welche unter den allseitigen Aufgabenkreis der Gemeinde fällt, aber keine Pflichtaufgabe darstellt.“ In einem weiteren Gespräch zwischen Rotraut Allgayer und Claudia Forster machte die Bürgermeisterin erneut deutlich, dass es nicht Aufgabe der Gemeinde sei, sich um Praxisräume zu kümmern.

Aus diesem Grund wandte sich Katrin Wittmann im Juli 2019 in einem Brandbrief an die Gemeinderäte, in dem sie alle Ereignisse niederschrieb. Diesen Brandbrief veröffentlichte sie im November auch in der Praxis von Rotraut Allgayer mit dem Vermerk, dass sie die Praxis zum 30. Juni 2020 schließen müsse, sollte sich keine Lösung finden. „Unsere Patienten waren geschockt, extrem traurig und am meisten entsetzt, dass die Gemeinde es nicht für wichtig erachtet, sich um die medizinische Versorgung für die Gemeinde zu kümmern.“

Freie Wähler und Christliche Wähler stellten deshalb Anfang November gemeinsam einen Antrag für einen Arbeitskreis aus Gemeinderäten, Mitgliedern der Verwaltung und Entscheidungsträgern, damit eine Zusammenarbeit mit möglichen Investoren und Eigentümern entstehen kann.

„Ich bin unheimlich dankbar, dass die Gemeinderäte der FW und CW das Thema ernst genommen haben und endlich aktiv geworden sind! Ohne sie gäbe es heute noch keine Praxis“, sagt Katrin Wittmann.

Das neue Ärztehaus soll neben der bestehenden Apotheke entstehen. Armin Geyer ist der private Investor hinter dem Projekt und wird dafür sein Grundstück zur Verfügung stellen. Das Schauhaus der Firma Kachelofen Geyer wird abgerissen und durch ein neues, größeres Gebäude inklusive Parkplätzen ersetzt. Im Erdgeschoss wird sich dann die Praxis von Katrin Wittmann und Claudia Schwörer befinden. Zur Apotheke soll es einen Verbindungsgang geben. Das obere Stockwerk bietet Platz für eine therapeutische Einrichtung. Gleichzeitig wird es einen Aufzug geben, der die Patienten sowohl in die therapeutische Einrichtung als auch in die bestehende Praxis von Christian Holtz bringt. Zum 1. Juli übernimmt Dr. med. Katrin Wittmann die Praxis von Dr. med. Rotraut Allgayer. Das neue Gebäude soll im Frühjahr 2021 fertig sein. Der Eigentümer der bisherigen Praxis hat sich bereiterklärt, die Räume bis dahin weiter zur Verfügung zu stellen, sodass es keine Versorgungslücke in Denkendorf geben wird.